Freitag, 29. August 2014

Freutag: Kurzzeitfasten.

Vor zwei Wochen stolperte ich beim Surfen über den Begriff "Kurzzeitfasten". Fasziniert und hoffnungsvoll beschließe ich auf der Stelle: that's it - das versuche ich!

Ausgangssituation.
Nach der Entbindung von Kind Nr. 3 (2010) wog ich über 70 Kilo und trug Kleidergröße 42. Durch Crashdiäten und viel Sport schaffte ich es immer wieder, einige Kilo zu verlieren, die aber bumerangartig ständig zu mir zurück fanden.


Dieses Foto von unserem Familyshoot im Mai 2014
hat mir die Augen geöffnet: Bauch, Oberarme... sogar am Rücken Fettpölsterchen. 

Schließlich gestand ich mir ein, dass mein Essverhalten grenzwertig war und diagnostizierte bei mir eine Essstörung. Es folgten Therapie, noch mehr Sport, Ernährungsumstellung auf Vegan (ich esse immer noch zu 80-90% vegan).

Das Gewicht stieg.

Nach dem Urlaub 2014 trug ich Hosengröße 44, hatte bei 165 cm fast 75 Kilo, was einem BMI von 27,5 entspricht.

An einem psychischen Tiefpunkt angelangt, es war der 4. August, erinnerte ich mich, dass meine Arbeitskollegin vor dem Sommer die "Morgen darf ich essen, was ich will"- Diät gemacht hatte.
Dabei isst man einen Tag gar nichts, und am nächsten, was man möchte. Nach weniger als zwei Wochen brach sie ab, und ich dachte mir noch, dass ich sowas auch niemals schaffen würde.

Nun aber war ich verzweifelt genug, und googelte das Buch. Nach einigen Minuten tauchte der Begriff "Kurzzeitfasten" oder "intermittierendes Fasten" auf.
Freudige Erkenntnis: es gibt auch andere, weniger drastische Möglichkeiten zu fasten, und diese sollen ebenso wirksam sein!
Nun war zwar dieser Begriff neu für mich, nicht aber das Prinzip.

Das Prinzip Kurzzeitfasten.
In meiner Kirche (Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, bekannt als "Mormonen") fasten Mitglieder regelmäßig, meist am ersten Sonntag im Monat, verzichten auf zwei aufeinanderfolgende Mahlzeiten und widmen sich in dieser Zeit bewusst dem Gebet und dem Glauben. Der Gegenwert der ausgelassenen Mahlzeiten wird gespendet.

Dieses Fasten ist mir meist nicht schwer gefallen, zumal es mir da auch nicht um einen diätischen Aspekt, sondern um Spiritualität ging - aber jedenfalls wusste ich: das kann ich.

Das Prinzip ist einfach: Man fastet einige Stunden, und hat dann ein Zeitfenster von wenigen Stunden, in dem man essen kann, was man will, bevor die nächste Fastenperiode beginnt. Da man nachts ja sowieso nichts isst, ist das gar nicht so schlimm - einfach früh genug ins Bett, und den Hunger verschlafen! Eine genaue Beschreibung finde ich in diesem Buch

6-Wochen-Challenge.
Auf der Seite www.kurzzeitfasten.de finde ich eine 6-Wochen-Challenge. Lade mir das Excelsheet herunter, und trage meine Werte ein. Schock. Ich habe 103,5 cm Bauchumfang.
Ab 90cm ist es für Frauen gesundheitlich bedenklich...

Ich muss diese Challenge durchziehen. (Wenn man bedenkt, dass ich in der Vergangenheit jede Diät höchstens 10 Tage durchgehalten habe, ist das ein mutiger Beschluss.)

Der Autor schlägt vor, die Abstände zwischen den Mahlzeiten langsam zu steigern, bis man bei 16/8 angelangt ist, und später sogar auf 18/6 zu steigern.

16 Stunden fasten, 8 Stunden essen.
16/8 bedeutet, 16 Stunden fasten, 8 Stunden essen. In der Praxis sieht es so aus, dass man beispielsweise abends die letzte Mahlzeit um 19 Uhr einnimmt, und dann am nächsten Tag erst um 11 Uhr wieder etwas isst.

Da ich an diesem Montag um 17 Uhr plötzlich Heißhunger bekomme, beschließe ich, daraus einfach ein Abendessen zu machen. Oh, wie schön, nicht "gesund" oder "leicht" essen zu müssen - denn man darf laut diesem Prinzip ja reinhauen, was man will!
Natürlich bekomme ich gegen 20:30 Uhr, als die Kids endlich im Bett sind, wieder Appettit. Also ab ins Bett, Decke über den Kopf, und mit einem schönen Buch abgelenkt.

5. August
Am nächsten Morgen zu meiner Überraschung: kein bohrender Hunger, es ist erträglich! Nachdem ich alle Hungergefühle erfolgreich mit Sport und Putzen (Dienstags habe ich frei) bekämpft habe, gibt es Mittagessen um 12:00 - also 19 Stunden durchgehalten. Seltsamerweise kann ich nach der halben Riesenportion Couscous mit Gemüse nicht mehr. Na gut - ich habe ja jetzt ein 6-Stunden Fenster, in dem ich jederzeit essen kann. 
Als ich nach 2 Stunden wieder Appettit bekomme, gibt es Wassermelone, Schokokeks und noch einen Nussriegel. Ohne schlechtes Gewissen! Um 18 Uhr Abendessen. Das Hungergefühl gegen 21:00 wird erfolgreich mit mit einem Kickbox-Workout bekämpft.

6. August
Morgens im Büro habe ich wirklich Hunger. Schon vor 10:00 habe ich zwei Karaffen Wasser ausgetrunken und renne dauernd aufs Klo. Motivation ist mau, Leistungsfähigkeit auch. Um halb 12 endlich mit den Kollegen in die Kantine - 17 Stunden gefastet. Mittagessen (vegane Kartoffelpfanne), Nachmittagssnack (Schokokekse), Abendessen (Salat, Brot, vegane Aufstriche) um 18 Uhr. 

7. August
Ein vorsichtiger Blick auf die Waage. 74,3 - ein halbes Kilo weniger. Und ich fühle mich gut, das Fasten fällt mir leicht. Ich habe zwar etwas Hunger, aber sonst keine Beschwerden. Um 12 gibt's Mittagessen - 18 Stunden gefastet. Um 17 Uhr ein frühes Abendessen, und seltsamerweise bleibt der Heißhunger, der mich sonst immer zwischen 20 und 21 Uhr überfällt, diesmal aus. Hat sich mein Körper so schnell umgestellt? Bin happy.

8. - 17. August
Ich habe meinen Rhythmus gefunden: Morgens etwas Sport (meist Pilates - diesen Youtube-Kanal kann ich sehr empfehlen!), vormittags viel Wasser. Um 12 Uhr Mittagessen, meist einen großen Salat mit Bohnen, Avocado, Tomaten, Gurken, oft noch mit Früchten und Nüssen, sowie eine kleinere Portion davon, was die Kinder essen. 

Nachmittags Keks, Schoki ohne schlechtes Gewissen, und ein frühes, gemüselastiges Abendessen. 
Leichte Hungergefühle treten abends schon mal auf, aber so richtig schlimmer Heißhunger eigentlich nicht... bin total glücklich, dass es mir so leicht fällt, den Essgelüsten nicht nachzugeben.
Somit komme ich jeden Tag auf 18 oder 19 Stunden fasten.

Allerdings nehme ich nicht ab. Nüscht! Buuuh! (Das magere halbe Kilo zählt wirklich nicht.) Bevor ich frustriert aufgebe, beschließe ich, die Zeiten zu ändern und faste von nun an Nachmittags ab zwei.

18. August - heute:
Das heißt: Ich frühstücke um 8, meist ein großer Smoothie mit allem Obst und Gemüse, das da ist. Eine Stunde später Müsli. Mittags ordentlich Kohlehydrate, Gemüse, veganes Eiweiß. Um ca. 14 Uhr noch Nüsse, Trockenfrüchte, Kekse, vegane Schoki. Dann ist Schluss - nur noch Wasser oder Kräutertee.

Die ersten beiden Umstellungstage waren schwierig, mir war abends total übel. Aber dann... es fällt mir überhaupt nicht schwer.
Und - juhu! - auf der Waage tut sich was! Fast zwei Kilo purzeln!

Nach einem Monat bin ich erstens stolz, dass ich noch nicht aufgegeben habe, und zweitens habe ich Hoffnung, das Kurzzeitfasten durchhalten zu können, so lang, bis ich mich endlich wieder wohl fühle. Vielleicht werde ich nie wieder anders essen (können)...

Falls irgendwer bis hierhin durchgehalten hat - danke für's Lesen! In einem Monat berichte ich wieder... und jetzt geh ich mich mal freuen. Nina.

Kommentare:

  1. Es geht mir ein wenig ähnlich wie dir. Vor kurzem habe ich die 90 kg-Marke geknackt und trage jetzt auch Größe 44. Ein Schock! Dabei kann ich noch nicht mal behaupten, dass das durch die Schwangerschaft verursacht ist. Zugenommen habe ich erst die letzten 2 Jahre. :-(
    Über das Fasten habe ich auch schon ein paar Mal nachgedacht. Dein Bericht über das Kurzzeitfasten finde ich wirklich sehr interessant.
    Falls ich dir auch noch einen Hinweis geben darf. Bei mir habe ich oft festgestellt, dass weniger essen allein nicht hilft. Eine echte Abnahme, wenn ich es doch mal versucht habe, habe ich nur mit sehr, sehr viel Bewegung erzielt.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und vielen Dank für den Denkanstoß.
    Lg Corinna

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  2. Liebe Nina,

    danke für Deinen ausführlichen Bericht!

    Ich denke, vielen Mama's geht es nach der Entbindung und den ersten Babyjahren. Ich habe schon vor der Schwangerschaft meine Ernährung auf eiweissreich, fettarm und kohlenhydratarm umgestellt und habe damit gute Erfolge erzielt. Leider ist seit der Schwangerschaft eine Ernährungsumstellung bzw. das Einhalten dieser Ernährungsform mit 3 Hauptmahlzeiten nicht immer ganz einfach. Aber ich arbeite daran!

    Ich wünsche Dir viel Erfolg!

    Liebste Grüße

    Maria-Rita

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  3. Liebe Nina,
    ich kann Dich voll und ganz verstehen und Deine Situation nur allzu gut nachvollziehen. Auch bei mir kam nach 2 Schwangerschaften irgendwann der "Schock-Knackpunkt". Seit Anfang August praktiziere ich die "Morgen darf ich essen, was ich will"- Diät und ich komme ganz gut damit zurecht. Bisher sind schon knapp 5 kg weg - womit ich sehr zufrieden bin. Lieber langsam, aber dauerhaft abnehmen. Ich wünsche Dir für Deinen Weg viel Erfolg! Lg Stefanie

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  4. Hallo Nina,

    von Kurzzeitfasten habe ich noch nie etwas gehört... Aber ich habe schon ein paar mal "richtig" gefastet. D.h. 10 Tage ohne Essen, nur Tee und Wasser. Dabei ging es mir aber nie ums Abnehmen (was ich allerdings auch nötig hätte!) sondern um meine Lebensmittelunverträglichkeit abzumildern. Klappt immer wunderbar. Ich muss auch sagen, ich hab in den paar Tagen immer sehr viel Gewicht verloren. Aber sobald ich dann wieder normal aß, kamen die Kilos wieder. Es war eben nie Fett, das verschwand, sondern hauptsächlich Darminhalt und Wasser... Fasten ansich ist keine Möglichkeit abzunehmen... Aber bei Deiner Diät wäre es natürlich schon möglich. Du hast ja gar keine Chance, in der kurzen Zeit so viele Kalorien aufzunehmen, dass Du zunehmen könntest (außer, Du isst jeden Tag ne Pizza und einen Eisbecher^^). Ich wünsch Dir jedenfalls viel Erfolg und bin gespannt, wie es weiter geht.

    Viel Erfolg beim Durchhalten!
    anna

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  5. Oh je - immer dieser Kampf mit den bösen "Kalorientierchen"... ;o((
    Wer kennt das nicht...
    LG Doris von wiesennaht

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  6. Sehr interessanter Bericht
    Mit meiner letzten Schwangerschaft habe ich mein persönliches Höchstgewicht erreicht. Habe im März diesen Jahren entbunden und wiege immernoch etwa 86kg - Kleidergröße 44 :-(
    Wirklich diäten halte ich aber derzeit nicht durch, ich brauch einfach die Energie für meine Zwillinge (und die beiden großen natürlich auch)
    Das Kurzzeitfasten klingt echt interessant! Das würde ich mir tatsächlich auch zutrauen! Da denk ich mal ernsthaft drüber nach!
    Vielen Dank
    Liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg
    Nicole

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  7. Liebe Nina,

    ich kann Dir voll und ganz nachempfinden!!
    Ich 'Kämpfe' auch ständig mit meinem Gewicht. Grundsätzlich weiß ich auch, wie und was gesunde Ernährung ist, aber irgendwie fällt mir das mit zwei Kindern nicht so einfach... Und die letzten sechs Schwangerschaftskilos wollten auch nicht so richtig weichen.

    Jetzt ernähre ich mich auch seit ein paar Wochen nach dem 5:2 Prinzip. Zwei Tage fasten (bei mir Mo und Do) und dann normal essen. Damit fahre ich jetzt auch ganz gut. Ich hatte mir dazu dieses Buch gekauft: http://www.amazon.de/schlemmen-fasten-Entspannt-abnehmen-hungern/dp/3831024820/ref=sr_1_5?s=books&ie=UTF8&qid=1409338569&sr=1-5&keywords=5%3A2

    Mittlerweile komme ich ist dem wenigen Essen an den beiden. Tagen auch ganz gut zu recht. Am Anfang hatte ich auch Abends meist noch extrem Hunger, aber das hat sich jetzt auch gebessert :-)

    Weiterhin alles Gute für Dich!!
    Liebe Grüße

    Tanja

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  8. Oh das Foto von euch beiden ist soooooo wunderschön!!! Ich mag es so sehr!!! Und wirklich erst der Untertitel hat mich auf deine (in deinen Augen) Problemstellen schauen lassen!!!
    Ich habe dieses Problem mit den lienen Kilos zum Glück (!!!) nicht. Aber ich kann kann dich trotzdem so sehr verstehen. Immerhin ist es das allerwichtigste, dass man sich im eigenen Körper wohl fühlt und zufrieden mit sich selbst sein kann!!!
    Mit Diäten kenne ich mich überhaupt nicht aus. Aber ich habe schon von vielen gehört, dass die beste Diät ohne Sport und Bewegung nutzlos ist...
    Ich drücke dir auf alle Fälle ganz feste die Daumen, dass du mit deinem Fastenprogramm etwas gefunden hast, das dir hilft!!!!
    Alles Liebe,
    Rebekka

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